Weihnachten in Namibia

Projekt: „Havana Soup Kitchen“ (Windhoek/Namibia)

Siehe auch: Unsere Projekte

Nachdem ich ein Jahr (2015/2016) in Namibia gelebt und im Rahmen des FSJ in der Havana Soup Kitchen in einem Township in Windhuk gearbeitet habe, freue ich mich, meine nach wie vor bestehenden Verbindungen zu dem Land und zu den Menschen zu nutzen und über das Weihnachtsfest in Namibia berichten zu dürfen. Die Frage nach weihnachtlich namibischen Traditionen war der perfekte Anlass für ein langes und gutes Gespräch mit der Leiterin der Havana Soup Kitchen, Frieda. Neben den Erzählungen über die brenzliche Lage aufgrund der Covid-19 Pandemie im Township und den damit verbundenen erschwerten Arbeitsbedingungen in der Soup Kitchen, konnte sie von vergangenen Traditionen und der heute vorherrschenden Weihnachtsstimmung in Namibia berichten. Zunächst einmal möchte ich jedoch gerne Friedas Herzensprojekt, die Soup Kitchen www.havana-soup-kitchen.com vorstellen. Die Soup Kitchen ist ein Kindergarten, in dem zusätzlich Frühstück und Mittagessen ausgegeben werden. Betreut, versorgt, bespaßt und auch beschult in christlicher Ausrichtung werden dort ca. 40 Kinder mit viel Liebe und Hingabe. Die Kinder wohnen alle in der Umgebung der Soup Kitchen im Township, sodass ein enger Kontakt zu den Familien, Angehörigen oder Bezugspersonen der Kinder besteht. Frieda versorgt auf diese Weise besonders bedürftige Angehörige und Familien mit Grundnahrungsmitteln. Darüber hinaus setzt sie sich für die älteren Menschen im Township ein, indem sie diese aufsucht, ihnen Aufmerksamkeit schenkt und Spenden (Essen, Kleidung etc.) bringt.

Durch diese kleine Vorstellung werden die Verhältnisse, in denen die Menschen in Havana leben, deutlich. Die oft beschränkten Möglichkeiten und die Armut spiegeln sich schlussendlich teilweise im Verschwinden von Weihnachtstraditionen wider. Auch in dieser besinnlichen Zeit, wie sie es für viele Menschen in Deutschland ist, sind Sorgen und Nöte in Namibia stets präsent und die individuelle Gestaltung der Weihnachtszeit ist auf wenige Mittel beschränkt. Nichtsdestotrotz ist Weihnachten im Land sicht- und spürbar. Einkaufsläden sind im amerikanisch kitschigen Stil geschmückt und es wird Weihnachtsmusik gespielt. Insbesondere diese kommerzielle Seite von Weihnachten ist mir in Erinnerung geblieben. Außerdem war es für mich eine außergewöhnliche Erfahrung, die Weihnachtszeit bei brüllender Hitze anstatt bei einem warmen Glühwein auf dem Weihnachtsmarkt zu verbringen. Weil ich die Weihnachtstage mit meinen Mitreisenden verbracht habe, habe ich Frieda und andere Freunde nach einem „traditionellen Ablauf“ der Weihnachtstage gefragt.

Projekt: „Havana Soup Kitchen“ (Windhoek/Namibia)

Siehe auch: Weihnachten in Namibia

Alle haben berichtet, dass es keine typisch namibischen Bräuche mehr gibt und es daher schwierig ist, darüber zu berichten. Das Weihnachtsfest in Namibia folgt also keiner einheitlichen Tradition. Das hängt wohl mit den Bewegungen und Entwicklungen in Namibia zusammen. Der Lebensstil im Land hat sich über die Jahre verändert. Die Menschen leben nicht mehr vorwiegend auf dem Land, weshalb Teile des traditionellen Lebens nicht erhalten bleiben. Dementsprechend wird die Weihnachtszeit und besonders die Heilige Nacht in der Stadt anders verbracht als auf dem Land. Die jungen Menschen tragen die Traditionen wenig weiter und verbringen die Weihnachtstage gerne in ausgelassener Partystimmung. Frieda konnte mir allerdings von den traditionelleren, sinnlicheren Weihnachtstagen, die sie vom Leben auf dem Land kennt, erzählen. Dort werden die Häuser mit Palmzweigen geschmückt, Kerzen aufgestellt und traditionelle Geschenke hergestellt. Der Umfang all dessen richtet sich auch hierbei nach den jeweiligen Lebensumständen. Die Zweige, die je nach Region aus der Natur beschafft werden, bringen eine ganz eigene Weihnachtserinnerung mit sich, die Frieda als „listening to the sounds of amango“ beschreibt. Amango sind die in den Zweigen lebenden Insekten. Geschenkt werden gerne traditionell handgeflochtene Körbe (ontunjwa, onjalo), und von Männern gewebte Teppiche (okajhala). Vor allem aber, weist das servierte Festmahl (Reis und eine Ziege) auf den besonderen Abend hin, da normalerweise Pap mit Milch gegessen wird. Vor dem Festmahl, am Abend des 24.12. sowie am Morgen des 25.12. gehen viele Einheimische in die Kirche, um dort für mehrere Stunden wunderschöne Gesänge anzustimmen und das Weihnachtsfest zu feiern. Die anfänglichen Erzählungen von einem doch eher unscheinbaren Weihnachtsfest in Namibia sind durch Friedas Beschreibungen von früheren Zeiten und fortwährendem Zusammenhalt in der Kirchengemeinde ergänzt worden. Nichtsdestotrotz haben die Entwicklungen im Land wie Urbanisierung und die globalen Einflüsse das Weihnachtsfest verändert und Traditionen scheinen mehr und mehr verloren zu gehen.

Die Soup Kitchen ist auf regelmäßige Spenden angewiesen. Das ökumenische Hilfsprojekt "Dönberg hilft" www.doenberg-hilft.de unterstützt seit 2016 die wichtige Arbeit von Frieda in Windhuk.

Wenn auch Sie helfen möchten, können Sie eine Spende auf das Konto DE83 3305 0000 0000 3729 12 der katholischen Kirchengemeinde St. Maria Hilf - Dönberg hilft überweisen.

Ann-Kristin Knickmann